Von der Seine führt unsere Reise weiter an die Loire – in eines der bedeutendsten Weißweingebiete Frankreichs. Entlang des Flusses reihen sich Weinberge an Weinberge, und doch gleicht kein Wein dem anderen. Die Loire steht für eine beeindruckende Vielfalt weißer Rebsorten und für Weine, die vor allem eines verkörpern: Frische, Finesse und Charakter.
Eine besondere Stellung nimmt der Muscadet ein. Er ist untrennbar mit dem Atlantik und der Küche der Region verbunden. Nicht ohne Grund wird er als „Stimme des Atlantiks“ bezeichnet: leicht, mineralisch, mit einer feinen salzigen Note und einer lebendigen Säure. Ein Wein, der wie geschaffen ist für Fisch und Meeresfrüchte – und damit für die Küche der nahen Atlantikküste.
Rund 30 Kilometer südöstlich von Nantes erreichen wir das Château de Chasseloir, den historischen Stammsitz des Weinguts Chéreau-Carré. Bernard Chéreau empfängt uns dort und nimmt uns mit in die Geschichte seiner Familie. Seit dem 14. Jahrhundert ist sie in der Muscadet-Region ansässig; 1953 erwarb sie das Château de Chasseloir.
Heute stehen rund um das Château alte Rebstöcke der Sorte Melon de Bourgogne, aus denen der Muscadet gekeltert wird. Viele dieser Reben sind zwischen 50 und 120 Jahre alt. Ihre tief reichenden Wurzeln und das besondere Terroir prägen die Weine und verleihen ihnen ihre charakteristische Mineralität.
Im Weinberg kommen wir mit Bernard Chéreau über die tägliche Arbeit des Winzers ins Gespräch. Zwischen den Rebstöcken erklärt er uns, worin sich die maschinelle von der manuellen Lese unterscheidet – und welche Konsequenzen die Wahl der Erntemethode für Qualität, Aufwand und letztlich auch für den Wein im Glas hat.
Während Bernard erzählt, wird deutlich: Wein entsteht nicht erst im Keller. Seine Geschichte beginnt hier – zwischen alten Reben, steinigen Böden und der sorgfältigen Arbeit der Menschen, die sie bewirtschaften.